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Hauptvorträge

Montag, 03.08.2020 – Hauptvortrag im Rahmen der Eröffnungsfeier

Die zweite Dekade der UN-BRK – Quo vadis Sonderpädagogik?

  • Prof. Dr. Ulrich Heimlich, Ludwig-Maximilians-Universität München, Department für Psychologie und Pädagogik, Lehrstuhl Lernbehindertenpädagogik

Die erste Dekade nach Inkrafttreten der UN-BRK hat noch einmal eine große Aufbruchstimmung zum Thema „Inklusion“ in der Sonderpädagogik nach sich gezogen. Das neue bildungspolitische Leitbild der Inklusion ist nunmehr auch in der Bundesrepublik Deutschland fest verankert. Es steht nicht mehr zur Debatte, ob ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen entwickelt werden soll. Vielmehr stehen wir vor der Aufgabe, wie eine möglichst gute Qualität des inklusiven Bildungsangebotes erreicht werden kann. Hier haben die Bundesländer unterschiedliche Wege beschritten. Mittlerweile wird jedoch deutlich, dass sich Konzept und Praxis eines inklusiven Bildungssystems noch deutlich voneinander unterscheiden und es noch vieler Anstrengungen bedarf, besonders im Bereich der Unterstützungssysteme für Lehrkräfte und der Weiterentwicklung von Kooperationsstrukturen – sowohl innerhalb von Schulen als auch in der sozialräumlichen Vernetzung mit dem Umfeld. Und auf diesem Weg ist eine Gelingensbedingung inzwischen deutlich zutage getreten: Ohne sonderpädagogische Fachkompetenz bezogen auf die unterschiedlichen Unterstützungsbedarfe kann die erforderliche Qualität in einem inklusiven Bildungssystem nicht gewährleistet werden.

Dienstag, 04.08.2020 – Hauptvorträge 09:00 bis 10:30 Uhr

Bildung 2030 – Sieben Trends, die die Schule und das Lernen revolutionieren

  • Prof. em. Dr. Olaf Axel Burow, Universität Kassel, Institut für Erziehungswissenschaft, Begründer der Kreative-Feld-Theorie

Angesichts von Globalisierung und Digitalisierung zeichnen sich radikale Umbrüche ab, die das Bildungs- und Weiterbildungssystem sowie die Schule massiv betreffen. Dieser Wandel eröffnet Chancen, ruft aber auch Ängste und Widerstände hervor. Mit Fragen, wie Bildung und Lernen umgestaltet werden müssen, damit sie zukunftsfähig sind, setze ich mich auf der Basis eines Austausches mit Experten aus verschiedenen Fachgebieten auseinander: Wie werden sich Lehren und Lernen verändern? Wie sehen Bildungseinrichtungen und die Schule der Zukunft aus? Wie werden sich neue Bildungsformate auf die Möglichkeiten der partizipativen Zukunftsgestaltung auswirken? Welche Chancen, aber auch welche Gefahren zeichnen sich ab?

Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit für Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen – Eine kritische Zwischenbilanz

  • Prof. Dr. Markus Dederich, Universität zu Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät, Allgemeine Heilpädagogik

Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit können als wichtige normative Leitprinzipien der Heil- und Sonderpädagogik verstanden werden. Die Teilhabe soll einerseits sozial-strukturell bedingte Ungleichheitslagen überwinden bzw. auf ein akzeptables Maß reduzieren, andererseits gesellschaftliche Zugehörigkeit herstellen. Im Kontext von schulischer und außerschulischer Bildung kann die Forderung nach Bildungsgerechtigkeit als ein wichtiger ethischer Modus verstanden werden, Teilhabe zu realisieren. Diesen Forderungen stehen allerdings gesellschaftliche Realitäten gegenüber, die Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit für Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen als schönen Schein erscheinen lassen. Vor diesem Hintergrund soll es in diesem Vortrag darum gehen, Anspruch und Wirklichkeit zu kontrastieren und eine kritische Zwischenbilanz zu ziehen.

Mittwoch, 05.08.2020 – Hauptvorträge 09:00 bis 10:30 Uhr

Das Bundesteilhabegesetz als Chancengeber – Wege aus einem Teilhabe-Diversitäts-Dilemma?

  • Univ. Prof. Dr. rer. soc. Elisabeth Wacker, Technische Universität München, Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften, Lehrstuhl für Diversitätssoziologie

Das Bundesteilhabegesetz verspricht, ein Ermöglichungsgesetz zu sein. Es soll von der Behindertenrechtskonvention verdeutlichte Aufgaben und Versprechen einlösen. Einzelne sollen mehr selbst bestimmen, persönliche Unterstützung erhalten und an der Gestaltung teilhaben. Wünschen soll wirken, im Bereich Wohnen, Arbeit, Freizeit, Gesundheit, Sicherheit etc., also in Alltag und Lebensgestaltung. Damit dies gelingt, ist theoretisch Teilhabe in Verschiedenheit der Lösungsweg, der aber noch konkret ausgehandelt und diskutiert werden muss.

Barrierefreier Informationszugang für blinde und sehbehinderte Menschen

  • Prof. Dr. Thomas Kahlisch, Direktor Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen), Leipzig

Der Vortrag befasst sich mit dem allgemeinen Begriff der Barrierefreiheit und geht insbesondere auf die große Bedeutung des digitalen Wandels ein. Dabei steht der uneingeschränkte Zugang zu Informationen für blinde und sehbehinderte Menschen im Vordergrund. Dargestellt wird, wie wichtig ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges zugängliches Informationsangebot ist, welchen Stellenwert die verschiedenen Medienarten haben und welche Maßnahmen geeignet sind, die schulische und berufliche Teilhabe für die Personengruppe zu verbessern.

Donnerstag, 06.08.2020 – Hauptvorträge 09:00 bis 10:30 Uhr

Erwerbsarbeit und gesellschaftliche Teilhabe – die Provokation der UN-Behindertenrechtskonvention

  • Dr. Martin Kronauer, Prof. i. R. für Gesellschaftswissenschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Wir leben heute mehr denn je in einer Erwerbsarbeitsgesellschaft. In Gesellschaften mit kapitalistischer Marktökonomie besteht ein grundlegender Widerspruch darin, dass sie die Teilnahme an Erwerbsarbeit zu einer wesentlichen Bedingung gesellschaftlicher Teilhabe machen, aber zugleich immer wieder verhindern, dass Menschen diese Bedingung auch erfüllen können. Die Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention nach einem Recht auf Inklusion in und durch Erwerbsarbeit stellt als Antwort darauf eine politische Provokation dar. Wir sollten sie nutzen, um für ein Recht auf Arbeit zu streiten.

Die Entwicklung höherer visueller Funktionen im Kindes- und Jugendalter und ihre Bedeutung für eine Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Sehens

  • Prof. Dr. Sarah Weigelt, Technische Universität Dortmund, Fakultät Rehabilitationswissenschaften, Fachgebiet Sehen, Sehbeeinträchtigung & Blindheit

Die visuelle Wahrnehmung entwickelt sich über einen viel längeren Zeitraum als gedacht. Besonders höhere visuelle Funktionen – wie die Objekt-, Gesichts- oder Szenenwahrnehmung – zeigen Entwicklungsverläufe über die Kindheit hinaus bis in das Erwachsenenalter. Im Vortrag werde ich neue Befunde aus der empirischen Forschung zur Entwicklung der höheren visuellen Funktionen vorstellen. Dabei werde ich auch auf ihre neuronalen Grundlagen eingehen und eigene Forschungsprojekte präsentieren. Den Vortrag abrundend werde ich diese neuen Befunde in Bezug setzen zu einer Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Sehens.

Freitag, 06.08.2020 – Hauptvortrag im Rahmen der Abschlusszeremonie

Herausforderung für die Pädagogik bei Beeinträchtigung des Sehens: barrierefreies Lehren und Lernen & Universal Design for Learning in inklusiven Settings

  • Prof. Dr. Sven Degenhardt, Universität Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Pädagogik bei Beeinträchtigung des Sehens

Stationäre Blinden- und Sehbehindertenschulen gingen und gehen von einem Selbstverständnis aus, in dem auch die Rolle als Ausbildungs- und beispielgebende Vorführschule für das jeweils aktuell existierende Regelschulsystem zentral platziert ist. Die Idee „Da kann man lernen, wie blinde und sehbehinderte Kinder unterrichtet werden!“ gilt sowohl für die später beratend und unterstützend arbeitenden Blinden- und Sehbehindertenpädagog*innen als auch für Regelschullehrer*innen. Das Scheitern der Idee der „Verpflanzung in die Ortschule“ im Rahmen der Verallgemeinerungsbewegung vor über 150 Jahren hat aber u. a. gelehrt, dass jedwede monokausale und direkte Übertragung der spezifischen Expertise nicht gelingen wird. Welche Herausforderungen stehen aktuell vor der Pädagogik bei Beeinträchtigung des Sehens im Rahmen einer inklusiven Entwicklung von Bildungsprozessen? Das Bild des „Schleppers und des dicken Tankers“ aufgreifend, sollen Aspekte diskutiert werden, in denen die Pädagogik bei Beeinträchtigung des Sehens im Handlungsfeld, in der Schulpolitik/-verwaltung und der der Wissenschaft im Sinne einer spezifischen Mitwirkung gefordert sein könnte: Barrierefreier Schulbau, Individuelle Bildungspläne für alle (Curriculumwerkstätten & Spezifisches Curriculum), Barrierefreie und ergonomische Dokumente (Marrakeschprozess, Born Accessible Textbook-Publishing, Print Disability), Überwindung der diskriminierenden Buch-Schule und Entwicklung fachlich vergleichbarer Prüfungsaufgaben für alle im Sinne des UDL.